Bundesreservat von Pedra Talhada

Bei Ankunft der ersten Europäer fanden sich auf dem Gebiet, welches den Namen Brasilien annehmen sollte, tausendjährige Wälder von ungeahntem Ausmass.

Die grösste Fläche dieses Waldmassivs, Amazonien, nach dem gleichnamigen Fluss, welcher ihn gänzlich durchquert, ist zum emblematischen der tropischen Regenwälder geworden.

Von einer Fläche von 4'500'000 km², breitet sich das Amazonasgebiet weit über die Grenzen Brasiliens aus; im Westen erstreckt es sich bis zu den Ausläufern der Cordillère der Anden und im Norden bis zu den Ufern des Karibik.

Die zweite grosse Waldzone ist vom breiten Publikum viel weniger bekannt: der tropische Atlantikwald. Seine Fläche erreichte im XV.Jahrhundert 1.1 Millionen km² und berührte die Küstengebiete des Atlantischen Ozeans von Belem bis São Paulo, auf fast 4'000 km längs der brasilianischen Küste.

Dieser atlantische Tropenwald wurde für die Landwirtschaft und Viehzucht sehr stark abgeholzt. Es verbleibt heute ein schwindend kleiner Prozentsatz seiner ursprünglichen Fläche.

Das biologische Bundesreservat Pedra Talhada gehört diesem atlantischen Wald an und erstreckt sich auf ungefähr 50 km²  um die Gemeinden Quebrangulo, Chã Preta, Lagoa do Ouro und Corrente (Staaten Alagoas und Pernambuco).

Es ist dies der letzte Wald dieser Grösse in der Region.

Von aussen scheint das Reservat Pedra Talhada aus einer dichten und einheitlichen Vegetation zu bestehen, ausgenommen die durch die Zeit ausgewaschene Granitfelsklippe, die dem Ort seinen Namen gab: “Pedra Talhada oder Gehauener Stein“.

In Wirklichkeit handelt es sich hier nicht um eine homogene Waldeinheit, sondern im Gegenteil um die Nebeneinanderstellung einer Mehrzahl von Biotops, die jedes eine spezifische ökologische Nische ausfüllt.

Im Innern erscheinen bemerkbare Unterschiede im Gebiete der Umwelt und der Flora. Beim Eintritt in das Reservat wird der Besucher sofort mit einem starken Gefälle konfrontiert, welches den Wald vor einer raschen Ausnutzung geschützt hat. Am Waldrand ist das Sonnenlicht noch sehr präsent, durch die Äste gut sichtbar. Diese, die Blätter durchdringenden hellen Zonen, vermindern sich jedoch, je tiefer man in den Wald eindringt.

Aus dem Wald herausragend findet man Felsstücke hauptsächlich auf dem Gipfel. Der Ursprungsfels, ein von den Niederschlägen ausgewaschener hellgrauer Granit-Gneis, ist praktisch nackt

Das Klima

Das Klima der Pedra Talhada wird durch zwei Saisons geprägt:

  • Die trockene Saison von September bis Februar und die Regen-Saison von März bis August.
  • Im Allgemeinen ist das Klima der Region vom Typ tropikal-feucht bis Trockensommer.

Die Biodiversität

Der Reichtum der Biodiversität, sowohl im Tier- wie im Pflanzenbereich, beruht auf drei ausschlaggebenden Faktoren:

  • Zuerst erlaubt dieser Typ von Bergrelief der Fauna und Flora sich in Funktion der Höhe zu diversifizieren, da die Differenz zwischen Talsohle und Felsgipfel 800 m beträgt.
  • Dann erlaubt die geographische Situation dieses Waldes von der klimatischen und biologischen Beeinflussung dreier sehr verschiedener Zonen zu profitieren: dem Atlantischen Wald, der trockenen Caatinga und des Amazonas-Waldes.
  • Schlussendlich entwickeln sich in den Talsohlen, wo das Wasser reichlich vorhanden ist, Moorgebiete, in welchen die Fauna und Flora sehr spezifisch sind und sich auf den anderen Etagen des Waldes nicht finden lassen.

Eine aussergewöhnliche Situation

Dank dieser klimatischen und geologischen aussergewöhnlichen Situation findet man hier bis zu hundert verschiedene Baumarten pro Hektare, sowie auch eine grosse Anzahl Arten von Säugetieren, Vögeln, Schlangen, Amphibien, Fischen, nicht zu sprechen von den Schnecken, Insekten und Spinnen. Eine Grosszahl dieser Tierarten sind endemisch, das heisst, man findet sie nur in diesem Wald.

Wichtig ist zu vermerken, dass in diesem kleinen Massiv von 50  km² 22 Vogelarten gezählt wurden, welche auf der roten Liste der in Brasilien bedrohten Tierarten stehen. Diese Liste zählt 227 Arten. Das beweist, dass eine Waldinsel allein 10 % der auf dem brasilianischen Kontinent vom Aussterben bedrohten Vögeln beherbergen kann.

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